sinnenfest

wärst du heute
hier bei mir
es wär ein fest
für unsre sinne
würd mit dem
hauch der
fingerspitzen nur
in bunten farben
streicheln
deine haut
ich würd
ganz federgleich
und hier
und jetzt
dich kalligraphisch
schreiben
deine haut wär
pergamentpapier
mit tusche
tränenzart benetzt
malt mein haar
als pinsel dir
ach meine sehnsucht
aufs papier

hirnchemie – sinnenverwirrung

seltsam ist es heute, wie ich mich fühle. ich habe kein fieber, trotzdem fasse ich mir immer wieder an die stirn. ich habe auch keine medikamente genommen. und doch sind meine sinne heute ganz anders. meine hände entwickeln ein eigenleben, wollen berühren, nachfühlen, streicheln. ich war spazieren. normalerweise ist das ein fest für meine augen. heute waren es meine hände. die rinde der bäume, sie zog mich magisch an. ich fühlte die linien nach, spürte das rauhe, die härte. ich legte sanft blätter in meine hand, spürte die blattadern nach, fühlte die weichheit, sie konnten streicheln. ich musste äste berühren, durch grashalme streichen, die finger ins kühle wasser tauchen, die kälte und glattheit einer kinderrutsche spüren. ließ kies durch meine finger rieseln und fuhr mit der hand über grobe steine. kitzelte meine haut mit einer feder und bekam gänsehaut. hielt das gesicht in den wind und die augen geschlossen. erspürte, erfühlte, erahnte das leben. und nahm es mit allen poren auf.  war ich und doch nicht ganz ich. es war, als würde ich ein bisschen schweben, ein bisschen unter schleiern sein, ein bisschen beobachten und nur erahnen. es ist diese melancholie, die mich langsam eine linie nachfahren lässt, mir ein verträumtes lächeln ins gesicht zaubert  und dabei mein herz ganz schwer macht vor wehmut und meine augen benetzt. unentwegtes kreisen meiner gedanken in gedichtform wie ein lied wie eine beschwörung wie ein versuch festzuhalten. festzuhalten, was nicht greifbar ist und sich doch ins herz einprägt. uns prägt und schwer macht und fliegen lässt. als wäre ich blind und taub für die welt und würde sie nur spüren und versuchen, sie mir dann zu erklären. seltsam ist das heute, schweben und berühren.

getrieben

wo komm ich her?
wo geh ich hin?
wer kanns sagen?
wo ist der sinn?
soll ich bleiben?
muss ich gehn?
kann ichs wagen?
werd ich verstehn?
wen kann ich fragen?
weiß es der wind?
was soll ich sagen?
bin ich noch kind?

weiß keine antwort
lass mich nur treiben
einer wirds wissen
den weg mir zeigen